Bio-Markt 2020

Starkes Umsatzwachstum für den Bio-Markt

Die Deutschen gaben 2020 22 Prozent mehr als im Vorjahr und damit insgesamt fast 15 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Der Bio-Umsatz legte ungefähr doppelt so stark zu wie der des gesamten Lebensmittelmarktes. Während der Pandemie griffen die Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf deutlich häufiger zu Bio-Produkten als je zuvor.

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) hat seine Umsätze mit Bio-Lebensmitteln und Getränken um 22 Prozent gesteigert und hält mit insgesamt 9,05 Milliarden Euro seinen Anteil am Bio-Markt von 60 Prozent. Insbesondere die Lebensmittelvollsortimenter trugen mit größeren und tieferen Sortimenten zum Umsatzwachstum bei. Sie führen inzwischen häufig neben der in der Regel preisgünstigen Handelsmarke auch Bio-Produkte aus der Region und/oder von einem anerkannten Bio-Verband. Seit Beginn der Pandemie sind die Verbraucherinnen und Verbraucher bestrebt, ihre Einkäufe in möglichst wenigen Geschäften zu erledigen. Durch dieses Kaufverhalten minimieren sie die Kontakte zu Anderen. Im Food-Vollsortimenter bekommen sie mit einem Einkauf fast alles, was sie brauchen. Auch die Umsätze der Discounter wuchsen 2020 deutlich, blieben aber deutlich hinter den Vollsortimentern zurück.

Dem Naturkosthandel bescherten Stammkundschaft sowie Neukundinnen und Neukunden in der Pandemie ein Umsatzplus von 16,4 Prozent. Insgesamt steigerte der Bio-Fachhandel seinen Umsatz mit Lebensmitteln und Getränken (ohne Non-Food-Artikel) 2020 auf 3,70 Milliarden Euro, sie verloren damit allerdings zwei Prozentpunkte des Marktanteils auf 25 Prozent.

Direktvermarktung legte am meisten zu

Am stärksten zugelegt haben die sonstigen Einkaufsstätten, zu denen die Hofläden, der Online-Handel (inklusive Lieferdienste), Wochenmärkte, Bäckereien, Metzgereien und Reformhäuser zählen. Zusammen erzielten sie 35 Prozent höhere Umsätze mit Bio-Produkten und profitierten von der gestiegenen Nachfrage während der Pandemie. Der Wunsch vieler Kundinnen und Kunden, Produkte bester Qualität und Frische aus der Region einzukaufen, ist gerade in Zeiten der Pandemie gewachsen. Denn der ackernahe Einkauf schafft Vertrauen und hat an Stellenwert gewonnen. Die Direktvermarktung steigerte 2020 ihren Umsatz mit Bio-Lebensmitteln um knapp 30 Prozent. Sehr erfolgreich war auch der Online-Handel, zu denen auch Lieferdienste und Bio-Abokisten zählen. Dessen Umsätze verdoppelten sich fast im Vergleich zum Vorjahr. Die Kundinnen und Kunden haben damit den Gang in den Einzelhandel vermieden und gleichzeitig Bio-Produkte in großer Auswahl bestellt. Viele Lieferdienste stießen schon im Frühjahr an ihre Kapazitätsgrenzen und konnten keine neue Kundschaft mehr aufnehmen.

Die Verkaufsmengen legten über alle Verkaufswege betrachtet in fast dem gleichen Maße zu wie die Umsätze. Die Verbraucherpreise stiegen nur bei Fleisch, Obst und Gemüse aus ökologischer Erzeugung, blieben in den anderen Warengruppen stabil oder gingen zurück. Das Umsatzwachstum resultiert also fast ausschließlich aus größeren Verkaufsmengen und nur wenig aus Preissteigerungen.

Geflügel und Fleisch waren die dynamischsten Produkte

Die Bio-Produktgruppen mit den größten Wachstumsraten waren 2020 Geflügel und Fleisch, die von ihrem jeweils kleinen Bio-Anteil einen Sprung nach oben getan haben. Mehl war nicht nur zu Beginn der Pandemie, sondern das ganze Jahr über stärker gefragt als sonst. Der Vegan-Trend ließ den Verkauf der Milchalternativen um mehr als 50 Prozent steigen. An fünfter und sechster Stelle folgten die großen Warengruppen Gemüse und Obst, deren Umsätze 29 und 25 Prozent größer ausfielen als im Jahr zuvor. Die Umsätze der meisten anderen Frischwarengruppen wie Wurst, Eier und Molkereiprodukte sind zwischen 15 und 22 Prozent gestiegen. Sie alle profitierten vom hohen Konsum der Verbraucherinnen und Verbraucher in den eigenen vier Wänden.

Warum wuchs der Bio-Sektor noch stärker als der gesamte Lebensmittelmarkt? 

Eine Begründung für das überdurchschnittliche Wachstum des Bio-Marktes liegt in seiner Struktur: Entfielen noch 2019 rund 27 Prozent der gesamten Lebensmittelausgaben auf den Außer-Haus-Verzehr, waren es am Bio-Markt nur rund 11 Prozent. Das bedeutet, der Wegfall des Außer-Haus-Konsums haben die Haushalte mit Käufen für den häuslichen Verzehr kompensiert und dabei häufiger zu Bio-Produkten gegriffen. Insbesondere wenn Gesundheit und Nachhaltigkeit stärker in der Aufmerksamkeit der Menschen stehen, konnten Bio-Produkte punkten. Und die Vollsortimenter haben mit größeren Sortimenten diesen Trend aufgegriffen. Nicht ganz so erfolgreich wie in den vergangenen Jahren, aber auch mit einem Zuwachs von 22 Prozent am Wachstum beteiligt, waren die Discounter. Hier wirkt sich die verstärkte Listung von Verbandsware (bei Lidl) oder die Kennzeichnung von deutschen Produkten (bei Aldi) auf den Verkauf aus.

Anhaltendes Nachhaltigkeits-Interesse

Bereits 2019 hat die Fridays for Future-Bewegung die Menschen bewegt. Bio-Lebensmittel haben bereits vor der Pandemie von den Klima-bewegten Themen profitiert. Offenbar werden Bio-Lebensmittel mit den Themen Regionalität, Tierwohl, Gesundheit und Nachhaltigkeit verbunden. Und so dürfte auch trotz und gerade wegen Corona den Menschen diese Themen anhaltend wichtig sein. Das weitere Kaufverhalten nach der Krise dürfte dann neben diesen Nachhaltigkeitsthemen aber auch von der Kaufkraft der Haushalte abhängen.


Letzte Aktualisierung 17.02.2021

BÖLW – Branchenreport 2021

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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